Über
die
Akademie

Die 2012 von der Stadt Köln gegründete Akademie der Künste der Welt ist ein loses virtuelles Kollektiv von Kulturschaffenden – bildenden Künstlern, Musikern, Tänzern, Autoren, Filmemachern, Kuratoren – mit unterschiedlichen Hintergründen und von verschiedenen Kontinenten, eine Kultureinrichtung und Produktionsplattform.

Die in Köln, einer Stadt der Immigranten, ansässige Akademie geht bei ihrer Auseinandersetzung mit den globalen Bedingungen des Post- und Neokolonialismus über eurozentristische Doktrinen der Kulturgeschichte hinaus und vermeidet dabei die Romantik des Multikulturalismus, der Globalisierung und der Identitätspolitik. Angesichts eines gesellschaftlichen und politischen Umfelds, das tiefgreifend durch die erdrückende Logik des globalen Finanzmarkts und neoliberaler Kräfte geprägt ist, ermöglicht und unterstützt die Akademie Praktiken, die sich mit diesen Bedingungen befassen und sie infrage stellen. Sie fördert Prozesse der Reflexion, der Intervention und der Kollaboration, die auf ein kritisches Verständnis und eine Transformation der zeitgenössischen kulturellen Produktionsbedingungen abzielen. Als nomadische Institution initiiert die Akademie Veranstaltungen und Diskussionen an verschiedenen Orten in Köln und anderen Städten.

Die Akademie arbeitet eng mit einer Reihe von lokalen wie internationalen kulturellen Einrichtungen und Gemeinschaften zusammen. Unser Programm, das von durch Mitglieder entwickelten Projekten über die Finanzierung externer Projekte und Aufenthaltsstipendien bis hin zur Jungen Akademie reicht, reflektiert über die kulturellen Ströme, Brüche und Fragen, die in einer Welt entstehen, in der die interkulturellen Beziehungen zunehmen und unvermeidlich sind.

 

Derzeitige Mitglieder: 

Ekaterina Degot, Madhusree Dutta, Galit Eilat, Monika Gintersdorfer, Liza Lim, Faustin Linyekula, Tienchi Martin-Liao, Hans Ulrich Obrist, Tom Holert, Soyoung Kim (alias Jeong Kim), Lemi Ponifasio, Walid Raad, David Riff, Ali Samadi Ahadi, Rosemarie Trockel, Mark Terkessidis, Terre Thaemlitz, Stefan Weidner, Liao Yiwu und Tom Zé.

 

Q&A

 

Warum eine weitere Kultureinrichtung in Köln?

Die Akademie der Künste der Welt wurde von der Stadt Köln gegründet, um auf die Unausgewogenheit zwischen der stark durchmischten Bevölkerung einerseits und einer weitgehend eurozentrischen Kulturszene andererseits zu reagieren. Es ist jedoch nicht die Absicht der Akademie, Forum für eine Zurschaustellung von etwas „Authentischem“ aus exotischen Gegenden zu sein, um so die zahlreichen unterschiedlichen Weltkulturen zu feiern. Der Fokus liegt vielmehr auf den zahlreichen weltweit aufkommenden Praktiken der Auseinandersetzung mit den brennenden politischen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Die Akademie bietet der Stadt Köln, die über viele kulturelle Institutionen verfügt, eine konzentrierte diskursive und künstlerische Beschäftigung mit diesen Fragestellungen.

 

In welcher Beziehung steht die Akademie zur Stadt Köln?

Die Akademie ist eine internationale und internationalistische Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ungerechte Hierarchien und Hegemonien innerhalb des Feldes der Kultur aufzulösen. Ihre Heimat hat sie in Köln gefunden, einer Stadt, für die diese Problemstellungen von großer Bedeutung sind. Die Akademie trägt nicht nur zum Reichtum der Kölner Kulturlandschaft bei, sondern fordert diese auch heraus und wendet sich dabei gleichzeitig nach außen – der Welt zu. Es ist nicht Aufgabe der Akademie, Repräsentationen von unbekannten Identitäten und Kulturen in ein exotisches Licht zu rücken, sondern sie fördert den Dialog, die Diskussion und einen diskursiven Ansatz hinsichtlich der bestehenden und entstehenden kulturellen und politischen Phänomene und Machtdynamiken. Die Akademie verbindet sich hierzu mit intellektuellen Partnern und Mitarbeitern unter ähnlich orientierten Institutionen, Gruppen und Kulturschaffenden, die in Köln ansässig sind.

 

Wer finanziert die Akademie? 

Die Akademie der Künste der Welt ist eine Initiative der Stadt Köln, die den Großteil der Finanzierung leistet. Zusätzliche Gelder kommen vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Junge Akademie wird von der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und der Sparkasse KölnBonn gefördert. Das Fellows Network Cologne – ein interinstitutionelles Programm, das gegründet wurde, um internationale Fellowships in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen – wird von der Rhein-Energie Stiftung Kultur finanziert.

 

Wozu dient die Akademie? 

Die Akademie organisiert Veranstaltungen verschiedenster Art und mit unterschiedlicher disziplinärer Ausrichtung. Sie reichen von (performativen) Symposien und politischen Diskussionen bis hin zu (Science-Fiction-) Filmvorführungen und Veranstaltungen für junge Künstler und Künstlerinnen. Jeder, der sich für das Verständnis und die Auseinandersetzung mit unseren Lebensbedingungen interessiert, ist willkommen – nicht nur Kenner und Eingeweihte der Kunst. Die Akademie lehnt jeden Populismus entschieden ab, da sie daran glaubt, dass Kultur, in Verbindung mit wahrhaftem Interesse und Engagement – Dingen, die nicht allein Fachleuten vorbehalten sind –, emanzipatorisches Potenzial besitzt.

 

Welche Kunstformen stehen im Vordergrund?

Die Akademie arbeitet an den unerforschten Bereichen zwischen verschiedenen Kunstformen und Medien. Sie konzentriert sich nicht auf „reine“ Malerei, Theater oder Musik, sondern fördert Projekte, die die Beziehungen zwischen Sound und visuellen Formen, Performance und Film, politischer Theorie und Tanz (um nur einige Beispiele zu nennen) erkunden.

 

Worin liegt der Schwerpunkt des Programms? 

Die Akademie initiiert und organisiert eine zweimal jährlich an unterschiedlichen Orten in der Stadt Köln stattfindende interdisziplinäre Reihe von Veranstaltungen mit dem Titel PLURIVERSALE. Jede Ausgabe der PLURIVERSALE setzt sich aus Projekten zusammen, die von den Mitgliedern und eingeladenen Gästen der Akademie komponiert und arrangiert wurden. Dazu gehören die Fellows der Akademie, die Künstlerische Leitung, das Team sowie eingeladene Kuratoren und Kuratorinnen. Parallel dazu betreibt die Akademie eine Reihe von monatlich stattfindenden Salons. Die Aktivitäten der Akademie werden durch ein Online-Magazin reflektiert und ausgeweitet, das vom Akademiemitglied und Head of Publication David Riff koordiniert wird.

 

Ist die Akademie eine Bildungseinrichtung? 

Streng genommen nicht. Es gibt keine Studiengänge oder Diplome und keine ständige Fakultät. Die Akademie bietet jedoch ein kontinuierliches Programm an, das man erweiterte Wissensproduktion nennen könnte: Das Salon- Programm widmet sich dringlichen kulturellen und politischen Fragen, und alle Veranstaltungen der Akademie sind gemeinhin von der Idee der Forschung als einem animierenden Prinzip getragen. Die Produktionen, die von der Akademie initiiert werden, weisen ein diskursives Register auf, und ästhetische Werte werden im politischen Kontext verstanden. Die Akademie der Künste der Welt betreibt darüber hinaus auch eine Junge Akademie. Diese Initiative wurde ins Leben gerufen, um einer Gruppe von aufstrebenden jungen Künstlern und Künstlerinnen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen parallel laufenden Projekte zu entwickeln. Sie bietet ein fortlaufendes Programm von Workshops, Seminaren und Vorträgen von internationalen Künstlern und Theoretikern. Diese sind öffentlich zugänglich.

 

Wer leitet die Akademie? 

Die ursprüngliche Unternehmensform der Akademie war eine gGmbH, bestehend aus einer Generalsekretärin in Köln, einer Künstlerischen Leiterin, die nicht in Köln ansässig war, und einer Gruppe von Mitgliedern, die in verschiedenen Teilen der Welt lebten und deren Teilnahme auf einer ehrenamtlichen, beratenden Basis stattfand. Im Herbst des Jahres 2013 fassten die Mitglieder der Akademie den Entschluss, eine aktivere Rolle bei den Tätigkeiten der Akademie zu spielen und riefen ein neues Akademiemodell ins Leben, das einen von den Mitgliedern gewählten Künstlerischen Leiter bzw. eine Künstlerische Leiterin in Köln vor Ort vorsieht. Seit Frühjahr 2014 wird die Akademie von Geschäftsführerin Elke Moltrecht, der Künstlerischen Leiterin und Mitglied der Akademie Ekaterina Degot sowie dem Team der Akademie betrieben.

 

Wie werden die Mitglieder ausgewählt?

Die Mitglieder der Akademie sind namhafte Kulturproduzenten, die überall in der Welt arbeiten. Die Gründungsmitglieder der Akademie wurden von einer Gründungskommission ausgewählt. Nachfolgend wurden neue Mitglieder von den bereits bestehenden Mitgliedern vorgeschlagen und ausgewählt – so wie es an vielen anderen Akademien international praktiziert wird. Die Mitgliedschaftist im Allgemeinen auf einen Zeitraum von fünf Jahren begrenzt.

 

Was sind die Aufgaben der Mitglieder? 

Die Mitglieder sind dazu aufgefordert, ihre eigenen Projekte für Köln vorzuschlagen und zu realisieren, weitere Projekte und mögliche Fellows der Akademie zu empfehlen und am Programm der Workshops und/oder am Programm der Jungen Akademie mitzuwirken. Sie liefern auch Beiträge für das Online-Magazin, das die Akademie herausgibt. Die Mitglieder treffen sich jährlich, um über die allgemeine Ausrichtung der Akademie zu beraten, neue Mitglieder vorzuschlagen und Projekte zu präsentieren.

 

Was ist das Fellowship-Programm und wie werden die Fellows ausgewählt? 

Die Akademie bietet Gegenwartskünstlerinnen und -künstlern, Theoretikern und Kuratoren, die sich mit nicht-westlichen und nicht-europäischen Ländern und Perspektiven beschäftigen, Residencies für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten an (diese können in besonderen Fällen verlängert werden). Das Residency-Programm verpflichtet den jeweiligen Fellow nicht, ein spezielles Projekt zu realisieren. Projektförderungen können für die Fellows der Akademie bereitgestellt werden, vorausgesetzt dass das Projekt auf der Forschungsarbeit basiert, die in Köln geleistet wurde. Die Fellows der Akademie werden dazu angeregt, sich mit den Künstlern und Künstlerinnen, Instituten sowie mit der freien Szene in Köln zu vernetzen. Fellows werden sowohl von den Akademiemitgliedern wie auch von der Künstlerischen Leitung vorgeschlagen und ausgewählt.

 

Unterstützt die Akademie externe Projekte? 

Die Akademie initiiert und produziert ihr eigenes Programm, unterstützt aber auch mit einem kleinen jährlichen Budget externe Projekte. Dieses wird in Form von Produktionsfördergeldern für einzelne Künstler, kollektive Initiativen und Institutionen in Köln ausgeschüttet, die interdisziplinäre, kritisch engagierte Projekte durchführen, die sich interkulturellen und dekolonialen Themenstellungen widmen. Die Akademie ruft in unregelmäßigen Abständen zu Bewerbungen auf.

 

Warum finden die Veranstaltungen der Akademie so oft in englischer Sprache statt? 

Die Akademie ist eine internationale Einrichtung mit Mitgliedern, die viele verschiedene Muttersprachen sprechen. Englisch ist daher die gängigste Verkehrssprache. Wann immer es möglich ist und es zu keiner wie auch immer gearteten Störung der künstlerischen Integrität von Werken oder Performances kommt, versucht die Akademie, Übersetzungen ins Deutsche bereitzustellen.

 

 

Vorschau