GEGEN DIE FETISCHISIERENDE MUSEALISIERUNG DER ERINNERUNGSKULTUR


PLURIVERSALE I 

 

Salon No. 28

GEGEN DIE FETISCHISIERENDE MUSEALISIERUNG DER ERINNERUNGSKULTUR

 

DO 16 10 2014 / 21:00

 

Ort: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Appellhofplatz 23 – 25, 50667 Köln

 

Öffentliche Diskussion mit Yochai Avrahami, Dr. Werner Jung (Direktor des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln), Natalie Bayer (Georg-August-Universität Göttingen) und Dogan Akhanli (Schriftsteller). Moderation: Peter Scheiffele (Akademie der Künste der Welt, Köln).

 

In deutscher Sprache

  

Es gehört zum festen Bestandteil globaler Erinnerungskultur mit Gedenktagen, Gedenkstätten, Mahnmalen, Skulpturen oder musealer Ausstellungspraxis an von Menschen in der Geschichte begangene Gräueltaten zu erinnern. Doch die unterschiedlichen Repräsentationsformen und Darstellungsweisen haben wiederum unterschiedliche Funktionen und Effekte in den diversen nationalstaatlichen Kontexten. In Ländern mit stark ausgeprägten und institutionalisierten Erinnerungskulturen scheint sich das Gedenken in Riten, moralischen Appellen oder Pathosformeln zu erschöpfen – es wird gar eine institutionalisierte Schein-Erinnerung gepflegt, die Geschichte eher (wieder) zu verdrängen hilft als kritisch zu verarbeiten. In anderen Ländern wiederum werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach wie vor mit rigorosem Schweigen belegt, geleugnet oder ins Unkenntliche verfälscht. Angesichts dieser komplexen Problematik diskutieren der Künstler Yochai Avrahami, der Historiker Dr. Werner Jung, die Migrationsforscherin Natalie Bayer und der Schriftsteller Dogan Akhanli, welche künstlerischen und museumspädagogischen Lehren zu ziehen sind und welche Formen der Darstellung und musealer Ausstellungspraxis ein kritisches Geschichtsbewusstsein befördern können.

 

Dr. Werner Jung ist Historiker und seit 2002 Leiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Neben verschiedenen historischen Studien zu Köln veröffentlichte er Schriften zum Nationalsozialismus, darunter auch eine Studie zur Rolle der Kölner Polizei während des Nazi-Regimes. Zuletzt fungierte er als Herausgeber des Bandes „Wände, die Sprechen. Die Wandinschriften im Kölner Gestapogefängnis im EL-DE-Haus”.

 

Dogan Akhanli ist ein in der Türkei geborener Schriftsteller und Aktivist. Seit Mitte der 90er Jahre lebt und arbeitet er als Schriftsteller in Köln. Seitdem hat er sich in Romanen wie etwa „Die Richter des jüngsten Gerichts”, aber auch Aufsätzen und weiteren Projekten immer wieder für einen wahrhaftigen Umgang mit historischer Gewalt und für die Unteilbarkeit der Menschenrechte eingesetzt. Schwerpunkt seines zivilgesellschaftlichen Engagements ist das Gedenken an die Genozide des 20. Jahrhunderts.

 

Natalie Bayer lebt und arbeitet in München. Sie ist Migrations- und Museumswissenschaftlerin und arbeitet als freie Kuratorin, u.a. für das Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Crossing Munich. Orte, Bilder und Debatten der Migration“ oder für die Ausstellung „Movements of Migration”. Derzeit arbeitet sie an einer wissensanthropologischen Studie, die sich mit der Musealisierung der Migration in kulturhistorischen Museen auseinandersetzt.

 

Yochai Avarhami ist Künstler und lebt und arbeitet in Tel Aviv. In seiner Kunst arbeitet er vornehmlich mit Installationen, Videos oder Skulpturen. Seit einigen Jahren erforscht und hinterfragt er aus künstlerischer Perspektive die Aus- und Darstellungsweisen von Bildern in Militärmuseen, in Gedenkstätten des Grauens und in Besucherzentren.

 

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes The Mount of Hercules von Yochai Avrahami statt, das Teil des Herbstprogramms der Akademie der Künste der Welt PLURIVERSALE I ist. Mit seiner ortsspezifischen Installation setzt sich der Künstler aus Tel Aviv kritisch mit einer staatlich geförderten Gedenkkultur und ihren universalisierenden Ansprüchen auseinander, wobei er sich auch auf jüngere Debatten über die Archäologische Zone und das Jüdische Museum in Köln bezieht. Die Installation kann nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Diese finden statt an folgenden Terminen: 

 

Do 16 10 2014 / 19:00 (in englischer Sprache)

Fr 17 10 2014 / 23:00 (in englischer Sprache)

Sa 18 10 2014 / 21:00 (dt.)

Sa 18 10 2014 / 22:00 (dt.)

So 19 10 2014 / 22:00 (dt.)

Mo 20 10 2014 / 22:00 (dt.)

 

Bitte melden Sie sich mit dem Betreff „Herkulesberg Datum /Uhrzeit” unter reservation@academycologne.org an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

 

Weitere Informationen finden Sie hier

  



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