Ausschreibung 2013


Folgende zehn Projekte wählte die Jury aus über
800 Projektanträgen aus:

 

Memoria Sin Recuerdo
Oper
Pablo Aranda/Casper Johannes Walter (CL/D)

 

„Memoria Sin Recuerdo“ ist eine Opera a Duo, die Sprachen innerhalb ihrer kulturellen Milieus reflektiert und sich dem Thema Glossolalie (Zungenreden) widmet. Basierend auf den zwei Sprachen Deutsch und Mapugundu, die Sprache der Mapuche, schaffen die zwei Komponisten Aranda und Walter eine Oper, die sich auf das Archaische zurückbesinnt, ohne in selbstreferentielle intellektuelle Diskurse zu verfallen. Dabei entsteht ein fast mystischer Klang-Raum, der die Wahrnehmung von Wörtern als individuelle Entitäten ermöglicht, so als hätten diese ihre eigene Persönlichkeit.

 

 

Anonymous Heritage Museum
Bildende Kunst/Forschungsprojekt
Yochai Avrahami (IL)

 

„Anonymous Heritage Museum“ ist ein Forschungsprojekt, das der Visualisierung von Gedenken in Israel und anderen Ländern nachgeht. In Form von Performances, akademischen Konferenzen und Führungen spricht sich der Künstler Avrahami dafür aus, historische Museen sowie Orte der Erinnerung und des kulturellen Erbes neu zu denken. Das Ziel ist es, neue Darstellungsweisen und Narrative einzuführen, die die klassische (Re)Präsentation durchbrechen, um eine Counter-Memory zu befördern.

 

 

Sin of Success
Theater
Meriam Bousselmi (TN)

 

„Sin of Success“, ein Theaterstück der jungen tunesischen Autorin und Regisseurin Meriam Bousselmi, hinterfragt jene Druck machenden Mechanismen, mit denen erfolgreiche arabische, aber auch europäische Künstlerinnen zu kämpfen haben. Ausgehend von den radikalen sozialpolitischen Veränderungen der letzten zwei Jahre, deckt das Stück in fünf Szenen kulturelle Unterschiede auf und demontiert klassische Frauenbilder. 

 

 

Young Turks
Dokumentarfilm/Forschungsprojekt
Köken Ergun (TR/D)

 

„Young Turks“ ist ein groß angelegtes Forschungsprojekt, das den neu aufkommenden Kulturimperialismus der Türkischen Republik thematisiert, indem es den Wettbewerb „Turkish Language Olympics” unter die Lupe nimmt. Diesen seit 2003 stattfindenden Sprachwettbewerb für Menschen, deren Muttersprache nicht Türkisch ist, nimmt Köken Ergun zum Ausgangspunkt, um die Einwanderung in die Türkei zu reflektieren. Mittels eines Dokumentarfilms, Interviews und gefundenen Objekten richtet sich Erguns Kritik dabei gegen eine (Kultur)Politik, die die „türkische Kultur“ und das „Türkische“ im patriotischen Sinne verteidigt.

 

 

Hodja Nasreddin Contest
Erzählwettbewerb/Buch
Olga Jitlina (Zhitlina)/Jose Alejandro Ramirez Gutierrez (RU/CO)

 

Nasreddin ist eine bekannte Figur aus der volkstümlichen Geschichtenerzählung in Zentralasien, Aserbaidschan und der Türkei, die auf humoristische Weise soziale Ungerechtigkeiten aufzeigt (analog zu Till Eulenspiegel). Beim Erzählwettbewerb „Hodja Nasreddin Contest“ werden Migrant_innen und die lokale Öffentlichkeit dazu aufgefordert, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu den Themen Migration oder Nation auseinanderzusetzen. Die Wettbewerbe finden in St. Petersburg, Köln und Dushanbe (Tadschikistan) statt. Ein Buch mit den besten Erzählungen beschließt das Projekt.

 

 

Solidarité! Solidarität! Solidarity! (AT) 
Tanz
Gudrun Lange (D)

 

Ausgehend von der Identitätsüberlappung von Zwillingspaaren, geht die Choreografin Gudrun Lange dem grundlegenden Verständnis von Solidarität nach und stellt sich dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Indem verschiedene Bewegungsformen, Solidaritätskonzepte und Geschlechterfragen in Beziehung gesetzt werden, durchbricht das Stück eurozentrische Sichtweisen und entwickelt grenzüberschreitende Formen, die eine präzise Beschreibung des Solidarischen ermöglichen.

 

 

Poetic Voices: Africa
Literaturfestival
Literaturhaus Köln, Cologne (D)

 

„Poetische Stimmen: Afrika“ ist ein Literaturfestival, das nicht nur die künstlerische Arbeit afrikanischer Schriftsteller_innen präsentiert, sondern ebenso deren Arbeitsbedingungen betrachtet. Das Festival fokussiert die orale Tradition und das Performative innerhalb der afrikanischen Lyrik und ermöglicht durch den Vergleich mit hiesigen Traditionen einen interkulturellen Austausch. In Form von Lesungen, Diskussionsforen, Workshops oder Veranstaltungen in Schulen richtet sich das Festival an Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

 

 

A Gentrification Programme
Bildende Kunst/Forschungsprojekt
Renzo Martens (BE)

 

Infolge seines Films „Episode 3 – Enjoy Poverty”, in welchem Renzo Martens die Bilder der Armut als Kongos größtes Exportgut deklariert, hat der in Brüssel lebende Künstler nun sein fünf-jähriges Projekt „A Gentrification Programme” gestartet. Frei nach dem Motto „Critical Art will bring food to the table” installiert das Institute for Human Activities (IHA) – welches das Programm durchführt – post-fordistische Ökonomien (Souvenir Shops, Cappuccino Bars etc.) im kongolesischen Regenwald, um mittels Mimikry und Transgression auf die Vereinbarungen innerhalb und außerhalb der Künste aufmerksam zu machen. Auszüge dieses Programms, bestehend aus Seminaren, Filmen oder kreativen Workshops, sollen in Köln gezeigt werden.

 

 

Impossible Show
Bildende Kunst
Temporary Gallery, Cologne (D)

 

Die Ausstellung „Impossible Show” präsentiert verschwundene, zerstörte oder gestohlene Werke. Im Sinne eines archive in progress, das mit Dora Garcías Arbeit „100 impossible artworks” (2011), dekonstruiert die „Impossible Show” Begriffe wie Zentrum und Peripherie innerhalb der zeitgenössischen Kunst und geht der Frage nach, wie Zensur und Selbst-Zensur die kuratorische Tätigkeit beeinflussen.

 

 

Ultra-red: URXX 1994-2014: Second Encounter
Klangkunst/Performance
Ultra-red (D/UK/USA)

 

„URXX" ist ein Projekt, das die 20-jährige Arbeit des internationalen Klangkunst-Kollektivs Ultra-red (1994-2014) zum Gegenstand hat. Mittels elektroakustischer Musikkompositionen und Performances geht es dabei um den politischen Widerstand gegen Formen der Ausgrenzung und Unterdrückung. Darüber hinaus analysiert das Kollektiv mit dem Projekt „URXX“ die fortwährenden Kämpfe der Migration, indem es seinen Blick auf die Wohnverhältnisse und Aspekte wie Geschlecht, Bildung oder Anti-Rassismus lenkt.

 



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